Interessengemeinschaft Ortsgeschichte (IGO)

In den diversen Veröffentlichungen Walter Heinrichs findet sich in der 
Zeitung „Unsere Heimat“ Nr. 5 vom 9. März 1928 ein Beitrag zu einer 
Erbregulierung aus dem Jahre 1735. Interessant, mit welcher Akribie und 
Gewissenhaftigkeit Nachlässe im Gerichtsbetrieb festgehalten wurden. 
(2. Teil) 

  

  

Walter Heinich foto-walter-heinrich

(1876-1940) 

  

Beiträge zur Geschichte von Neusalza. 
von Walter Heinich 

 

„Eine Erbregulierung i. J. 1735. 

 

Es war damals nicht einfach, die nötigen Küchenelemente Wasser und Feuer herbeizuschaffen 
und zu beherrschen. Mit der Kohlenschaufel hat man nicht etwa Braun- der Steinkohlen geschaufelt, sondern Holzkohle. Auch der Blasebalg diente dem Holzfeuer, über dem man am Bratspieß den Braten drehte!  

Das Brotbacken gehörte auch zur Arbeit der Hausfrau, darum sind auch die notwendigen Gerätschaften vorhanden: Eine Backtöße, elf Brotkörbchen (Backschüsseln), eine Mulde, eine Kuchen-Schoße, ein Maßviertel, zwei Siebe. Zum Holzzerkleinern waren eine Handsäge, zwei alte Sägeblätter, eine Axt und ein kleines Beilchen vorhanden. An Holzvorräten drei Klafter Buche und drei Klafter weiches Holz und etwas ,Felgen-Späne‘ (wohl Abfall vom Stellmacher?). Ferner zehn Stück alte Schwarten und vier neue Stücken Bretter. Welche Bedeutung der Flachs und seine Zubereitung für unsere Voreltern hatte, ist aus dem vorhandenen Handwerkszeug zu ersehen: Eine Breche, eine Hechelbank, ein Unterteil und ein Ueberröckel (Rocken?) zum Spinnen. An Speisevorräten sind verzeichnet: Zwei geräucherte Schinken, zwölf Schrötel abgedörrtes Schweinefleisch, etwas Speck, so in drei Bischen besteht, eine Metze Erbsen, ein Viertel Kleie. 

 

Hier ist der Gegensatz zwischen ,geräuchert‘ und ,gedörrt‘ bei den Fleischwaren beachtlich, um so mehr, als das Verzeichnis am 17. Juni aufgestellt ist. Das gedörrte Schweinefleisch kann auch kein Speck gewesen sein, denn dieser ist besonders aufgeführt. Heute wird bei uns 
jedenfalls kein Fleisch mehr gedörrt, wenn man auch in anderen, vor allem heißeren Ländern, diese Dauerzubereitung noch angewendet. 

  

Erbsen waren ehemals, wie auch Hirse, Linsen und Bohnen, viel mehr Volksnahrung als heute. Ihr unsicherer Ertrag hat vielleicht mehr Anteil an den Schwankungen der früheren Getreidepreise gehabt, als wir gewöhnlich vermuten. Dass keine Kartoffeln vorhanden sind, könnte an der Jahreszeit gelegen haben – sie waren aufgegessen. Feldmäßig hat man diese Frucht damals in unserer Gegend noch nicht angebaut, wenn sie auch bekannt und geschätzt war. Man baute sie im Garten schon seit einiger Zeit, aber ein allgemeines Nahrungsmittel waren sie noch lange nicht. 
Es bleibt nun nur noch wenig aufzuzählen: Eine große, eine kleine Leiter, eine dreizinkige Gabel (Mistgabel?), zwei Rechen, davon einer mit eisernen Zinken (!), ein Strohsack, fünf alte Säcke, eine alte Heringstonne, etwas alt Eisen in einem Kästchen, ein alter Bohrer, ein Fleischklotz, ein Schubkarren mit Halskoppel und eine ,Karbatzsche‘. Ist auch die ganze 
Aufstellung nicht sehr groß, so sehen wir doch, daß man damals im Haushalt viele Werkzeuge nötig hatte, derer wir heute nicht mehr bedürfen.“ 
(Teil 2 von 2) 
Günter Hensel (IGO) 
Aus dem Archiv von Horst Wagner 

 

Grenzpolizei in Neusalza-Spremberg

 

 

Eine mir kürzlich zugeleitete Anfrage zu näheren Angaben der ehemaligen DDR-Grenzpolizei in Neusalza-Spremberg, konnte ich nur sehr lückenhaft und unvollständig aus mir in früherer Zeit irgendwie zu Ohren gekommenen Mitteilungen beantworten. Auf Nachfragen bei verschiedenen Bürgern ergaben sich ebenfalls nur vage Aussagen, die mir nicht viel weiterhalfen. Im Stadtarchiv war bisher nichts zu entdecken.

 

grenzhaus-turnerstrasse

Hängengeblieben sind bruchstückhafte Begriffe wie „Grenzerhaus“ in der Turnerstraße, Standort Stadtberg im ehemaligen „Maidenheim“, Namen von Grenzern, die nach ihrem Dienst in Neusalza-Spremberg  blieben (meist verheiratet mit hiesigen Frauen) sind noch bekannt (z.B. Erwin Gratzke, Siegfried Lorenz oder Siegfried Schulze). Diese sind jedoch inzwischen verstorben. Ebenso ist die Rede von einem Einwohner gewesen, der im Sonneberg aus nicht ganz klaren Umständen im Grenzbereich erschossen worden sein soll.

 

stadtberg

 

Anlässlich eines Besuches bei meinem Geschichtsfreund und fernem IGO-Mitglied Lutz Mohr in Greifswald im September/Oktober 2025 kam ich mit ihm auf dieses Thema zu sprechen. Er konnte mir aus seiner Erinnerung einige Informationen geben, die hier wiedergegeben werden sollen:

 

„Erinnerungen von Lutz Mohr, Jg. 1944 :

Von 1944 bis 1960 verlebte ich meine Kindheit, Jugend und Schulzeit (POS) in Neusalza-Spremberg. An diese Zeit kann ich mich relativ gut erinnern, da ich im großelterlichen Haus in der Schulstraße in glücklichen und bescheidenen Verhältnissen  aufwuchs. Während dieser Zeit war in der benachbarten Turnerstraße, Einmündung Schulstraße, etwa bis Mitte der fünfziger Jahre,  in einem größeren mehrstöckigen Gebäude, Grenzerhaus genannt, eine Einheit der Deutschen Grenzpolizei (DGP) untergebracht. Am Eingang befand sich ein Wachpostenstand aus Holz (Schilderhäuschen) mit den aufgemalten Streifen der deutschen Flagge (schwarz-rot-gold), in dem ein bewaffneter Wachsoldat in dunkelgrüner Grenzeruniform und mit Stahlhelm postierte. Im Grenzerhaus befand sich ein kleines Kino, und zu dessen Filmvorführungen durften wir Kinder aus der Nachbarschaft immer kommen. Diese Filmnachmittage  waren für uns natürlich immer nachhaltige Erlebnisse. So bekamen wir auch mit, dass sich vom Grenzerhaus in der Turnerstraße alle zwei oder vier Stunden (?)  jeweils zwei bewaffnete Grenzpolizisten, auch nachts,  auf Patrouille begaben. Sie marschierten zu einem von den Grenzern errichteten Unterstand /Beobachtungsstand in der Osthälfte des Hänscheberges an deren Südseite in Blickrichtung Tschechien. Von dort war das waldreiche und grenznahe Gebiet zwischen den OT Neuspremberg und Sonneberg optimal zu beobachten. Der in die Erde gegrabene und aus Holzbohlen errichtete Unterstand im Hänscheberg verfiel später und überwucherte, wie ich selbst bei späteren Besuchen in meiner Heimatstadt feststellen konnte. Die Grenzpolizisten von der Turnerstraße sind Ende der 50ger Jahre (um 1958) in das neue Quartier auf dem Stadtberg, ehemaliges „Maidenheim“, umgezogen. In dem dortigen großen Saal haben wir POS-Schüler der 9. oder 10. Klasse musikalisch begleitet die ersten Tanzschritte gewagt.

Je mehr ich mich mit der Thematik beschäftige, erinnere ich mich an weitere Details:

Die spontanen Jugendtanzveranstaltungen am Nachmittag wurden damals von der FDJ-Ortsleitung Neusalza-Spremberg unter der Vorsitzenden Helga Damm im Zusammenwirken mit dem Kommandeur und dem FDJ-Sekretär der Einheit der Neusalza-Spremberger Grenzpolizisten organisiert“

 

g-hensel-und-lutz-morh

 

Danke für diesen Mosaikstein, den Lutz Mohr beifügen konnte. Die Bitte zu weitergehenden Informationen, Fotos, Namen und Begebenheiten reiche ich hierdurch an alle, die beitragen können neue Kenntnisse zu erlangen. Rückmeldungen bitte an: IGO, Günter Hensel, Am Spreepark 3 in Neusalza-Spremberg. (Fotos von E. Winkler sowie G. und S. Hensel)